Mehr Gigs durch Agenturen

Gastblogger 19.03.2026
Gastblogger: Julian Angel mit Gitarre und Boxhandschuhen Julian Angel Gastblogger

Auf der Suche nach mehr Auftrittsmöglichkeiten ist für viele Bands und Musiker:innen ein „Manager“ der heilige Gral. Gemeint ist, wenn wir ganz kniefieselig sind, ein Bookingagent, oder auch eine ganze Agentur, die sich darum bemüht, Veranstaltern Bands anzubieten. Damit können Bands und Musiker:innen ihre Kontakte und ihre Reichweite erhöhen, um mehr Gigs zu landen. Lass uns der Einfachheit wegen beim Begriff „Band“ bleiben.
Schauen wir uns zuerst einmal an, welche Agenten und Agenturen es da draußen gibt, was sie tun, wie sie arbeiten und für welche Bands sie interessant sind.

Der Szenebooker

Nennen wir ihn einfach mal so. Gemeint ist ein Agent, der innerhalb einer gewissen Szene gute Kontakte aufgebaut hat und, hoffentlich, regelmäßig pflegt. Diese Szene kann regional begrenzt sein, stilistisch, oder auch beides. Also jemand, der im Umkreis von 50 Kilometern Einfluss auf Veranstalter hat und seine Schützlinge in deren Clubs bucht. Gut möglich, dass er aber auch überregional tätig ist und sich dabei auf eine bestimmte Stilrichtung konzentriert. Er hat dann Kontakte zu Jazzkellern oder Rockclubs und verschafft dort stilistisch passenden Bands Auftritte.
Es kommt nicht selten vor, dass sich solch ein Szenebooker ein gewisses Gebiet „gesichert“ hat, in dem nur er Auftritte vermitteln darf. Wie geht das? Nein, diese Gebietsexklusivität wird nicht beim Ordnungs- oder Kulturamt beantragt. Vielmehr schließt der Booker feste Verträge mit Veranstaltern ab, in denen sich die Veranstalter verpflichten, ausschließlich Bands aus dem Programm des Bookers zu buchen, während der Booker gleichzeitig zusichert, seine Bands entsprechend liefern zu können.
Und was ist mit den Bands? Damit der Booker auch wirklich immer eine Band am Start haben kann, nimmt er seine Musiker:innen gerne exklusiv unter Vertrag. Das heißt, nur er darf die jeweiligen Bands buchen, kein anderer. Für ihn ist das gut, zumal er dadurch immer deren Verfügbarkeit im Blick hat. Die Bands müssen sich dagegen darauf verlassen, dass der Booker ihnen regelmäßig Auftrittstermine gibt und keine andere Band bevorzugt.
Jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt: Wie kannst Du Dich mit Deiner Band positionieren, um einerseits in den Genuss vieler Auftritte zu gelangen, Dich aber gleichzeitig nicht abhängig vom Wohlwollen des exklusiven Bookers zu machen?
Du kannst vertraglich aushandeln, dass Du monatlich eine bestimmte Zahl an Auftritten erhältst. Am besten schreibst Du gleich noch eine Mindestgage mit rein, damit Du nicht mit Gigs in winzigen Kneipen mit Hutsammlung abgespeist wirst. Ebenfalls wichtig ist, diese Exklusivität auf ein klares Gebiet oder eindeutige Clubs zu beschränken.
Am häufigsten treffen wir diesen Booker in der Cover- und Partyszene an, aber auch dort, wo Bands mit eigener Musik unterwegs sind.

Künstleragenturen

Typische Künstleragenturen sind heute eher auf nicht-öffentliche Auftrittsgelegenheiten spezialisiert wie Firmenfeiern, Produktpräsentationen oder Hochzeiten. Dabei vermitteln sie Bands sowohl direkt an Endkunden als auch an Eventagenturen, die mit der Durchführung einer Feier beauftragt sind. Hier wollen wir uns aber auf „Galabands“ mit Covermaterial beschränken, was aber nicht heißen soll, dass es keine Agenturen gibt, die Bands mit eigenem Repertoire vertreten.
Diese Agenturen arbeiten zu Deiner Freude zu 99 Prozent auf nicht-exklusiver Ebene. Das bedeutet für Dich, dass Du noch mit vielen anderen Agenturen zusammenarbeiten darfst, sogar im gleichen Ort und in der gleichen Straße.
Im Gegensatz zum Szenebooker von weiter oben gehen solche Künstleragenturen nicht aktiv vor, um Gigs für Bands an Land zu ziehen. Sie reagieren stattdessen auf Anfragen von Kunden und Eventagenturen und bieten dann an, was sie für passend halten. Mit etwas Glück auch Dich und Deine Band. Natürlich klärt sie vorher mit Dir ab, ob Du und Deine Band an dem angefragten Termin überhaupt verfügbar seid.
Und damit kommen wir schon zum eigentlichen Thema, der Zusammenarbeit zwischen Dir und dem Szenebooker oder der Künstleragentur. Das Schöne daran: wir können sie hier beide über einen Kamm scheren.

Das Geschäftliche

Die Sache mit den Verträgen haben wir schon angerissen: es gibt den exklusiven, bei dem Du Dich fest an einen Agenten bindest. Folglich gibt es auch den nicht-exklusiven, der es Dir erlaubt, noch mit beliebigen anderen Agenten zusammenzuarbeiten und damit weiter zu streuen. Künstleragenturen, die den Eventbereich beliefern, schließen in der Regel keine Rahmenverträge mit Dir ab. Ein Vertrag kommt erst dann zustande, wenn der Kunde der Agentur angebissen hat. Und dann?

Vertragspartner

Mit wem Du nun Deinen sogenannten Gastspielvertrag abschließt, hängt wiederum vom Prozedere des Agenten oder der Agentur ab. Um es einfach zu halten, sprechen wir im folgenden von einer Agentur und einem Veranstalter.

  • Die Agentur als Vertragspartner
    Wenn die Agentur Dein direkter Kunde ist, wird sie den Gastspielvertrag mit Dir abschließen. Meistens akzeptiert sie dabei sogar Deinen eigenen Vertrag. Darin wird auch die Gage geregelt, welche die Agentur Dir am Ende bezahlen wird.
    Die Agentur selbst schließt dann wiederum einen Vertrag mit ihrem Kunden, sei es der Veranstalter oder die zwischengeschaltete Eventagentur, gibt Deine Vertragsbedingungen weiter und schlägt bei der Gage etwas für sich mit auf. Wie viel das ist, wirst Du nie erfahren. Deine Rechnung schickst Du dann der Agentur.
  • Der Veranstalter / Endkunde als Vertragspartner
    Es ist genauso üblich, dass Du den Gastspielvertrag direkt mit dem Veranstalter eingehst und die Agentur lediglich als Vermittler auftritt, ähnlich wie bei einem Immobilienmakler. Gleichzeitig vereinbarst Du mit der Agentur eine Provision für ihre Bemühungen, selbstverständlich schriftlich. Diese Provision schlägst Du entweder auf Deine Gage auf, oder ziehst sie davon ab, wenn es Dir wichtig ist, Deine Gagen stabil zu halten.
    Am Ende gibst Du die Rechnung über Deine Gage dem Veranstalter, der Dich dann, so wollen wir annehmen, auch bezahlen wird. Dann wird Dir die Agentur eine Rechnung über ihre Provision zuschicken, die Du dann begleichen darfst.
    Wie genau das Geschäftliche abläuft, erfragst Du bei der Agentur, wenn es dann so weit ist. Das ist völlig normal, in Ordnung und professionell: „Wie handhabt Ihr das?“

Infomaterial

Egal ob der Szenebooker oder die Künstleragentur, sie brauchen Infomaterial von Deiner Band. Was genau Du bereithalten solltest, gehen wir jetzt durch.

  • Demo
    Ein paar aussagekräftige Demosongs, die am besten auch die Vielfalt Eures Repertoires wiedergeben, gehören zum absoluten Pflichtprogramm. Demo-CDs wirst Du heute nicht mehr benötigen, dafür aber mp3s. Manchmal ist es gerade im Eventbereich besonders clever, mehrere Songs als mp3 vorrätig zu haben und dann die drei davon weiterzugeben, die Deiner Meinung nach stilistisch am besten zur aktuellen Anfrage passen. Es darf aber gerne auch einziges mp3 sein, in dem drei oder vier Songs in Auszügen von je ca. 30 Sekunden zusammengeschnitten sind.
    Studio-, Proberaum- oder Liveaufnahme? Wenn Du wirklich gute Liveaufnahmen hast, verwende sie. Kennzeichne sie am besten entsprechend. Die deutliche Mehrzahl aller Demos sind allerdings polierte Studioaufnahmen.
  • Video
    Um einen Eindruck zu vermitteln, wie Ihr dann vor Ort auf der Bühne wirken werdet, ist ein Video das Mittel der Wahl. Das kann ein kurzes (maximal 10 MB großes) Video zum Verschicken sein, oder auch ein längeres Youtube Video. Wie wäre es mit einem richtigen Show-Reel?
  • Foto
    Und noch einmal Pflichtprogramm: Ein Bandfoto in der aktuellen Besetzung. Gerne ein Studiofoto, auf dem Ihr Euren Stil klar durchscheinen lassen könnt. Ein weiteres Livefoto in Aktion kann ebenfalls bei der Entscheidungsfindung helfen. Achte beim Livefoto darauf, dass darauf alle Bandmitglieder zu sehen sind, dass die Bühne ordentlich aufgeräumt ist (keine Kisten, Flaschen), und dass nicht gerade der angetrunkene Dorfheilige vor der Bühne umhertorkelt. Die Fotos sollten zur Verwendung im Internet optimiert sein, die Agentur wird sie nämlich auf ihre Website stellen und bei Bedarf an Kunden weiterleiten.
  • Flyer
    Ein einseitiges PDF in anspruchsvollem Design mit Bandlogo, Fotos, Slogan und kurzem Info, falls vorhanden ein paar Referenzen.
  • Setlist (bei Cover-/ Galabands)
    Wenn Ihr covert, kann es dem Veranstalter helfen, wenn er vorher weiß, welche Songs ihn erwarten. Haltet die Liste übersichtlich (maximal eine Seite), falls der Platz sehr eng wird, tut es auch ein aussagekräftiger Auszug.
  • Technical Rider
    Einige Clubs verfügen über eine eigene Beschallungsanlage, bei Firmenevents ist es üblich, dass der Veranstalter oder die Eventagentur die Technik organisiert. Damit auf der Bühne nichts fehlen wird, gibst Du Deinem Vertragspartner einen Zettel (pdf) mit, auf dem geschrieben und gezeichnet ist, was Ihr alles auf der Bühne benötigt: Mischpult mit Kanälen und ggf. Belegung, Monitoring und Monitorwege, Mikrofone, DI-Boxen etc. Damit es hinterher keinen Ärger gibt, verweist Du im Vertrag auf den beigelegten Technical Rider und machst ihn explizit zum Vertragsbestandteil.
  • Logo und Pressefotos
    Hochauflösende Fotos und Bandlogos für mögliche Presseberichte und Programmhefte.
  • Pressetext
    Das ist eher etwas für Bands mit eigenem Repertoire. Lokale Medien sind gerne bereit, etwas über Euren bevorstehenden Gig zu schreiben und tun sich wesentlich leichter, wenn sie etwas Input bekommen – oder einfach Copy & Paste machen können.

 

Und jetzt noch ein großes „Vorsicht, bitte!“
Jegliches Infomaterial, das Du einer Agentur gibst, um Dich und Deine Band damit zu bewerben, muss adressneutral sein. Keine Agentur wird Material von Dir weiterleiten, auf dem Deine Kontaktdaten stehen. Ja, man wird Dich im Internet ausfindig machen können, aber die Agentur will es dem Kunden natürlich nicht allzu leicht machen, sie zu umgehen und sich direkt an Dich zu wenden. Erfahrene Bands richten zum Beispiel für ihre Youtube Videos ein separates neutrales Profil ein.

Professionalität

Booker und Agenturen merken sehr schnell, mit wem sie gut zusammenarbeiten können und wer eher problematisch ist. Hier gebe ich Dir zum Abschluss noch ein paar Tipps zu professionellem Verhalten.

  • Hab eine eigene Website mit vollständigen Kontaktdaten.
  • Sei telefonisch erreichbar. Und wenn nicht, rufe spätestens nach 60 Minuten zurück.
  • Beantworte eMails ebenso schnell.
  • Kenne Deine Verfügbarkeit und damit die Deiner Bandkollegen, so dass Du gleich beim ersten Kontakt zusagen kannst. Es wirkt äußerst unprofessionell, wenn Du einem möglichen Kunden sagst, dass Du Dich erst mit Deinen Leuten besprechen musst.
  • Kenne Deine Gage, damit Du sofort einen Preis nennen kannst, ohne vorher zu überlegen, wie reich der Kunde denn sein könnte.
  • Halte sämtliches Infomaterial in einem separaten Bereich auf Deiner Website bereit. Vor allem, wenn es schnell gehen muss, hat Dein Kunde die Möglichkeit, sich das benötigte Material selbst zu beschaffen.
  • Zeichne Verträge innerhalb von 24 Stunden gegen, am besten aber noch am gleichen Tag. Niemand will ungewiss in der Luft hängen.
  • Sei pünktlich vor Ort.
  • Verhalte Dich immer und überall freundlich.
  • Stelle Deine Rechnungen zeitnah und begleiche erhaltene Rechnungen der Agentur umgehend.
  • Sei loyal. Wenn Dich eine Agentur für einen Termin anfragt und Du kurz darauf eine verdächtige Anfrage für den gleichen Termin mit gleichem Inhalt direkt von einem Veranstalter erhältst, verweise auf die Agentur. Umgehe sie nicht.

Und ganz zum Schluss:
Zeige Professionalität, indem Du das Geschäft und seine Gepflogenheiten kennst.


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