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Kongresse und Tagungen– Kommunikation ist alles

Gastblogger Artikel 06.02.2013
Popakademie Baden-Württemberg

Kommunikation ist alles. Das hat man mir im Studium erzählt. Kein Wunder. War ein Kommunikationsstudium. Tatsächlich scheint aber einiges an dieser Aussage zu stimmen. Von Paul Watzlawick, der den Meisten aus dem Deutschunterricht bekannt sein dürfte, wissen wir: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ Soll bedeuten, dass wir immer kommunizieren, sobald wir eine andere Person wahrnehmen. Allein durch unser Verhalten. Denn da wir uns nicht nicht verhalten können, kommunizieren wir.

 

Kommunikation findet also fast immer und überall statt. Und sie genießt einen durchaus guten Ruf. Mit ihrer Hilfe erfüllen wir Wünsche und lösen Probleme. Wer gut kommunizieren kann, hat es leichter im Alltag, leichter im Beruf. Unternehmen, die es verstehen, mit ihren Kunden einen Dialog zu führen, oder wenigstens das Gefühl vermitteln, dass sie ihre Kunden verstehen, sind erfolgreicher als Andere. Kommunikation gilt im Kleinen wie im Großen als Schlüssel zum Erfolg. Andersherum kann großer Schaden entstehen, wenn schlecht kommuniziert wird. Oder gar nicht. Ach ne. Das geht ja nicht…

Kurzum: Kommunikation ist wichtig. So gibt es in Deutschland fast zu jedem Thema spezielle Tagungen oder Kongresse, auf denen Wissen ausgetauscht wird, Neuigkeiten vorgestellt oder aktuelle Herausforderungen besprochen werden. Ob Tagung für bayerische Fremdsprachenlehrer, Internationalen Modellbauerkongress, Tagung für Bäckereitechnologie oder Kommunikationskongress. Jedes Thema, jede Branche, ja selbst jedes Hobby kann mindestens eine Veranstaltung aufweisen, die sich mit den jeweiligen Bedürfnissen auseinandersetzt.

 

Vize-Weltmeister Deutschland

Deutschland ist, was Kongresse und Tagungen betrifft, Vize-Weltmeister. Nur die USA bringen es fertig, noch mehr Kongresse, Tagungen und Events zu veranstalten. Das Meeting- & EventBarometer 2012 des German Convention Bureau konnte 2011 den eigenen Rekord der Veranstaltungsbranche mit über 338 Millionen Teilnehmern verzeichnen. Deutschlandweit wurden im Jahr 2011 über 2,72 Millionen Veranstaltungen (mit mind. 50 Teilnehmern) in 6.614 Tagungs- und Veranstaltungsstätten gezählt. Täglich finden also durchschnittlich 7.452 Kongresse und Tagungen in Deutschland statt.

Das scheint mir auf den ersten Blick zu viel. Und ich bin mir ziemlich sicher: Das ist es auch! Denn Kongresse, Tagungen und ähnliche Veranstaltungen dienen nicht immer in erster Linie dem Zweck, die Kommunikation zu fördern. Hinter dem Kongress- und Tagungswesen steht natürlich eine enorme Wirtschaftskraft. Allein die Anzahl der beinahe täglich eingehenden Einladungen in meinem Postfach zu unterschiedlichsten Veranstaltungen ist beeindruckend. Noch beeindruckender sind dann die Preise, beginnend bei wenigen hundert Euro bis hin zu vierstelligen Summen. Es gibt aber genügend Kongresse, die sich nicht in erster Linie wirtschaftlichen Interessen verschrieben haben.

 

Was muss ein guter Kongress, eine gute Tagung leisten? Viele Einladungen werben mit prominenten Keynote-Speakern, was sich häufig unmittelbar im Preis bemerkbar macht. Was erwarten wir überhaupt von einem Kongress? Wie eingangs beschrieben, wollen wir uns mit Hilfe der Kommunikation beispielsweise aktuellen Herausforderungen stellen. Besonders die Musikbranche, und somit will ich langsam mal den Bogen zur Musik schlagen, hat mehr als genug Probleme, ähm…, ich meine natürlich Herausforderungen, die es zu besprechen gilt. Die ganze Branche ist dringend auf der Suche nach Lösungen zu neuen Urheberrechtsmodellen, fairen Vertriebsmodellen, angemessener Verteilung von Kulturfördermitteln und vielem mehr. Jährlich gibt es jede Menge Veranstaltungen, die sich genau mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen. Und doch haben wir oft das Gefühl, dass zu wenig passiert.

 

Was erwarten wir beispielsweise von einem Kongress, auf dem über notwendige Änderungen im Urheberrecht diskutiert wird? Wir erwarten Änderung in irgendeiner Form und sind dann vielleicht enttäuscht, dass nichts passiert. Ich glaube, dass selbst ein guter Kongress nicht in der Lage ist, die gewünschten Änderungen unmittelbar herbeizuführen. Aber ein guter Kongress ist in der Lage unsere Einstellung zu ändern, uns zu inspirieren, den eigenen Horizont zu erweitern und neue Sichtweisen zu gewinnen. Und das wiederum führt letztendlich, wenn auch nicht von heute auf Morgen, zu Veränderungen.

Es ist auch nicht entscheidend, bei einem Kongress so viele Vorträge und Workshops wie möglich mitzunehmen. Ganz entscheidend ist nämlich, was sich am Rande einer Veranstaltung abspielt. Denn hier gibt es die Möglichkeit, mit Akteuren, Referenten und anderen Besuchern bei Kaffee und Kuchen, Sektchen oder Bierchen ins Gespräch zu kommen. Solche Gespräche und neue Kontakte sind ebenso wichtig, wie Vorträge und Workshops.

In der Musikbranche gibt es eine Reihe von Conventions, Kongressen und Veranstaltungen, die sich mit allen wichtigen Themen auseinandersetzen. Eine Veranstaltung der Popakademie, die garantiert nicht kommerziell ist, möchte ich heute vorstellen:

Das Future Music Camp der Popakademie Baden-Württemberg legt seinen Fokus auf die digitale Musikbranche. 2009 als das erste „Barcamp“ für die digitale Musikwirtschaft gestartet, ist es mittlerweile als eine Mischform mit Konferenz- und Barcampelementen fest in der Branche etabliert. Einmal jährlich lädt die Popakademie Baden-Württemberg zum Future Music Camp nach Mannheim. Die Idee dieses Events ist es, sich gezielt auf ausgewählte aktuelle Highlights der Musik- und Entertainmentwirtschaft  zu beschränken. So werden neuartige Geschäftsmodelle und technische Innovationen vorgestellt und diskutiert. Spannend ist, dass viele Themen im Vorhinein hier aber gar nicht feststehen.

Die Barcamp-Elemente des Future Music Camps ermöglichen den Teilnehmern das direkte Mitbestimmen der Themen. Themenvorschläge können sowohl beim Camp direkt als auch vorab eingereicht werden. Welche Themen und Workshops sich durchsetzen, stimmen die Teilnehmer dann am Veranstaltungstag ab. Im Jahr 2012 waren es schon über 400 Teilnehmer, die aus der gesamten Bundesrepublik nach Mannheim kamen. Die Vorbereitungen für das Future Music Camp 2013 am 26. und 27. April laufen aktuell auf Hochtouren. Die Teilnahme am Camp steht jedem offen.

Es ist zwar eine Anmeldung vorab erforderlich, diese ist aber kostenlos.

 

Ebenso wichtig wie Umfeld und Themen sind die Akteure. Welche Leute treffe ich auf einem Future Music Camp? Das Tolle an dieser Veranstaltung ist, dass mit diesem Event schon früh die Aufmerksamkeit der Musikbranche gesichert werden konnte. Hier tummeln sich Studenten, junge Kreative, Gründer sowie Vertreter von großen und kleinen Firmen und Institutionen. Im Prinzip ein Querschnitt der digitalen Musikszene. Wer sich über die bisherigen Teilnehmer ein Bild machen möchte, kann einen Blick auf die vergangenen Camps werfen möchte. Auf www.futuremusiccamp.de haben wir zahlreiche Presseberichte, Infos zu Teilnehmern und Themen hinterlegt.

Was mich persönlich bei meinem ersten Future Music Camp besonders beeindruckt hat, ist die Atmosphäre. Es geht locker her – nahezu gemütlich. Mit einer ganzen Menge alter Möbel, Sessel und Sofas entsteht eine Art riesiges Wohnzimmer – in und um die Popakademie herum. So bleibt zwischen Vorträgen und Workshops genug Zeit für lockeren Plausch und Meinungsaustausch am Rande der Veranstaltung. Hier bekommt der Begriff „Netzwerken“, der in kommunikationsstarken Branchen  oft ein wenig bedeutungsleer daher kommt, ein echtes Fundament.

 

Wer kennt sie nicht, diese Anfragen bei Xing oder LinkedIn von völlig fremden Menschen: „Sehr geehrter Herr Micus, ich würde mich freuen, Sie in meinem Netzwerk begrüßen zu dürfen.“ Aus reiner Neugier klicke ich  auf „hinzufügen“. Vielleicht kommt ja noch eine spannende Geschichte hinterher? Meistens Fehlanzeige. Echte Kontakte, echte Netzwerke entstehen eben nicht im ersten Schritt in der digitalen Welt. Hier tauschen wir lediglich digitale Visitenkarten. Echtes Netzwerken basiert auf Kommunikation. Auf Meinungsgleichheiten und –unterschieden. Auf Sympathie und Neugier. Und eben diese Kommunikation finden wir auf guten Kongressen, Tagungen und Events.

Egal ob digitale Musikszene beim Future Music Camp oder Konferenz des örtlichen Hasenzüchtervereins. Das alles sind Plattformen für Kommunikation. Sowohl im eigenen als auch im Interesse aller, sollte man sich wenigstens ein bis zwei Veranstaltungen im Jahr aussuchen, um sich selbst und ein Stück weit seine Branche nach vorn zu bringen. Denn wir alle wissen: Kommunikation ist alles.

Und jetzt kommt ihr ins Spiel. Welchen Event der Musikbranche kennt oder besucht ihr, der eure Einstellungen ändert, der euch inspiriert, der euch neue Sichtweisen gewinnen lässt, bei dem ihr nette Gespräche führen und Kontakte knüpfen könnt oder, worauf es letztendlich ankommt, der etwas verändert? Wir werden eure Vorschläge sammeln und hier in unserem Blog vorstellen.


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